STUDIE: TIERARZTPRAXEN UND DIGITALE KOMMUNIKATION

Internetauftritt von Tierarztpraxen ist nicht zeitgemäß

Inwieweit stellen Tierärzte ihre Praxis, das Team und die Leistungen im Internet dar? Welche Plätze belegen dabei die einzelnen Bundesländer im Vergleich? Werden neue Informationswege im Dialog mit den Tierbesitzern genutzt? Diese und viele weitere Fragen beantwortet eine repräsentative Studie und zeigt auf, dass der Handlungsbedarf groß ist. Wenige Tierarztpraxen glänzen in dieser Disziplin und lassen die digitale Kommunikation hinten anstehen. So stellt sich auch die Frage nach dem Fortschritt in der Veterinär-Praxislandschaft, wenn es um die Entwicklung digitaler Dienstleistungen in Diagnostik, Prävention und Behandlungsmethoden geht. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus der aktuellen Studie liegt nahe, dass die Antworten ernüchternd sind.

Web-Auftritt: Pflicht dominiert, Kür vernachlässigt, Fachkompetenz schwach dargestellt

Wenig Innovation in digitaler Informations- und Dialogkultur erkennbar

Mehr als 30 Prozent der Tierarztpraxen in Deutschland haben im Jahr 2018 immer noch keinen Internetauftritt

Eine repräsentative Untersuchung der Unternehmensberatung BJO Dialogue zu Internetauftritten von Tierarztpraxen in Deutschland zeigt, dass in der zeitgemäßen Kommunikation und Informationsvermittlung zwischen Tierärzten und Tierbesitzern noch reichlich Luft nach oben ist. Servicedenken und Innovationsgeist sind laut Studie in der Online-Kommunikation der Praxen nur bedingt priorisiert. Im Bundesländervergleich trifft dieses Resumee am wenigsten auf Hamburg zu. Dort schneiden die Internetseiten der praktizierenden Veterinäre in der Beurteilung durchweg am besten ab. Geht es allerdings um die Quantität, dann ist Niedersachsen mit dem höchsten Anteil an Internetpräsenz von Veterinären führend, auch wenn dieses Bundesland nach Einwohnerzahl nur das viert stärkste ist.

 

Wir haben doch eine Internetseite!

 

Nachdem rund ein Drittel der Tierarztpraxen laut Erhebung keine Web-Präsenz hat, glänzen die restlichen zwei Drittel in erster Linie durch Erfüllung der wesentlichen Pflichten: Sie sind bei der Internetsuche auffindbar, nennen auf der Startseite Kontakt und Öffnungszeiten, weisen ein Impressum aus, lassen den Seitenbesucher strukturiert durch ihr Informationsangebot navigieren – auch so, dass sich die Darstellung der Inhalte auf unterschiedlichen Endgeräten automatisch anpasst, also im „Responsive Design“.

 

Soweit so gut?

 

Betrachtet man die Ausführungen zu besonderen Praxisleistungen, das Einbinden von Fotos und Aufzeigen der fachlichen Kompetenzen sowie die Vermittlung von aktuellen Tipps und Hintergrundinformationen, haben diese Themenbereiche offensichtlich nur bedingt Priorität. Der Service, dem Tierbesitzer relevante Informationen zur Praxisauswahl und Tiergesundheit bereits über die eigene Homepage zu vermitteln, rangiert im Mittelfeld.

 

Zeiten ändern sich

 

Dass sich Informationsverhalten, Generationen und Nationalitäten nicht nur in der Tierärzteschaft, sondern auch bei den Besitzern der in Deutschland lebenden Haustiere verändert, spiegelt sich laut Studie nicht in einer fortschrittlichen Kommunikation der Praxisinhaber wider: Transparenz bezüglich der Kosten für Behandlungen, die Ansprache in einer multikulturellen Gesellschaft sowie neue Kommunikationswege werden seitens der Tierarztpraxen beim Online-Auftritt nahezu gar nicht berücksichtigt.  

 

Der Weg zum Ergebnis

 

Insgesamt 199 Tierarztpraxen wurden im September/Oktober 2018 in der BJO-Studie berücksichtigt. Die Verteilung pro Bundesland fand nach Gewichtung der Einwohnerzahl statt. Die untersuchten Praxen wurden per Zufallsprinzip und ohne Stadt-/Land-Quote aus öffentlich zugänglichen Listen ausgewählt. Für die Beurteilung der Seite war der Informationsgehalt ausschlaggebend. Emotionale Ansprache und optische Gestaltung der Internetauftritte wurden in der Beurteilung nicht berücksichtigt, da sie Teil der persönlichen Wahrnehmung sind. Insgesamt wurden 16 Kategorien in 16 Bundesländern (gem. Tierärztekammern) beurteilt. Die Verweildauer pro Seite entsprach dem realistischen Abbild des Nutzer- oder Leserverhaltens von rund 30 Sekunden.

 

 

Die Ergebnisse im Überblick

 

Grundsätzlich – eine Pflichtübung

  • —  93% der Internetseiten von Tierarztpraxen haben ein Impressum, davon 63% ohne Jahresangabe; im Jahr 2018 wurden 17% der Homepages mit dem Datenschutz Disclaimer aktualisiert
  • —  72% der per Zufall ausgewählten Tierärzte sind problemlos über Google zu finden
  • —  64% der Tierarztpraxen weisen auf ihrer Startseite alle Kontaktinfos und Öffnungszeiten aus
  • —  61% der Tierarztpraxen haben eine schlüssig strukturierte Internetseite
  • —  55% der Webseiten sind im Responsive Design gestaltet
  • —  54% der Tierarztpraxen stellen ihre Serviceleistung im Internet aussagekräftig dar
  • —  21% der Tierarztpraxen arbeiten mit einer externen Agentur für Internetauftritte zusammen
  • —  20% der Internetseiten zeigen keine Bilder von Tieren, Praxisteam und -räumen

 

Bedenklich – wenig Zeitgeist

  • —  Nur 26% der Tierarztpraxen stellen im Internet die eigene Kompetenz aussagekräftig dar
  • —  Nur 22% der Tierarztpraxen bieten auf ihren Internetseiten aktuelle Tipps und Hintergrundinformationen
  • —  Nur 16% der Praxisinhaber/Tierärzte kann man direkt/persönlich per Mail erreichen
  • —  68% der Tierarztpraxen geben auf ihrer Homepage keine Informationen zur Tiergesundheit
  • —  75% der Tierarztpraxen vermitteln Internetinhalte nicht über audiovisuelle Kommunikation
  • —  84% der Tierarztpraxen haben keinen Facebook-Auftritt
  • —  98% der Tierarztpraxen formulieren ihre Web-Inhalte einsprachig (deutsch)
  • —  98%  der Tierarztpraxen weisen auf ihren Webseiten keine Basiskosten aus

 

Das Gesamturteil: Die Bundesländer im qualitativen Vergleich

  • —  Die Top 3: Platz 1 belegt Hamburg, gefolgt von Rheinland-Pfalz (Platz 2) und Hessen (Platz 3)
  • —  Das Mittelfeld teilen sich Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und das Saarland (jeweils Platz 4), gefolgt von Sachsen-Anhalt, Niedersachsen un Brandenburg (jeweils Platz 5) und Bayern, Sachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils Platz 6)
  • —  Schlusslicht (Platz 8) ist Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen belegen jeweils Platz 7

 

 

Na und?!

 

Ebenso wie in der Humanmedizin werden auch bei den Veterinären fortschrittliche Kommunikations- und Informationswege sehr bald eine Selbstverständlichkeit im Praxisalltag sein, ganz zu schweigen von einem nächsten Schritt in der Digitalisierung verschiedener Dienstleistungen. Wissentlich um den Spagat, den ein praktizierender Tierarzt heute machen muss, darf man sich dem Potential einer digitalen Kommunikation nicht entgegenstellen. Tierbesitzer werden nicht nur älter, sie werden auch geboren und wachsen in einer digitalen Welt auf. Das gilt auch für Tierärzte. Generationenwandel findet überall statt egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Darüber muss man sich als Tierarzt jeden Alters und Geschlechts bewusst sein und schließlich auch hier professionell handeln“, kommentiert Birgit Josten-Opladen, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung BJO DIALOGUE.  

 

 

 

Die aktuelle Studie „Tierarztpraxen und digitale Kommunikation“ ist der Auftakt einer Reihe von Untersuchungen im Veterinärbereich, die BJO DIALOGUE als neutrale Instanz in D/A/CH und Skandinavien durchführt. Themenschwerpunkte werden der Generationenwandel, die Veränderung des Berufsbildes und die Digitalisierung von Dienstleistungen sein.

 

Mehr Informationen zu BJO DIALOGUE finden Sie auf diesen Seiten. Bei Interesse oder Fragen rufen Sie gerne an oder kontaktieren uns per Mail.

 

 

 

Reichshof, November 2018